Genussgroßhandel in 3. Generation

Kriegsende 1945: Paul Kirsch eröffnet auf dem Riehler Gürtel in Köln-Riehl sein erstes Ladengeschäft. Kurz nach Fertigstellung des Ladens wird dieser von der belgischen Kommandantur beschlagnahmt. Suche nach neuem Objekt, gefunden gegenüber der Agneskirche auf der Neusser Str. Nachdem die Bau-Ruine notdürftig „geflickt“ wurde, fiel (oder wurde gefallen) eine Teilwand im Laden um und musste ebenfalls erneuert werden.

Paul Kirsch fand beim Besuch bei seinen Schwiegereltern in Bonn im Wald eine Kiste mit Cer-Eisen. Dies war dann das Anfangskapital der Firma „Feuerzeuge Kirsch“, denn Cer-Eisen konnte als Feuerstein verwendet werden. Da Tabak und Tabakwaren nur über Bezugsscheine zu kaufen waren, war die Reparatur von Feuerzeugen Ende 1945 eine der wenigen Möglichkeiten, geschäftlich zu agieren.

Ab 1946 konnte dann ganz langsam der Verkauf mit Tabak (teilweise auch selbstgezogener Tabak oder Blattwerk von Kirsch-Bäumen) stattfinden. Erst nach der Währungsreform waren plötzlich auch wieder Tabak und Zigaretten vorhanden und handelbar. Das Ladengeschäft an der Agneskirche wurde erweitert, verschönert und bekannter. Um den Bekanntheitsgrad noch zu steigern, wurden im Schaufenster nicht nur eine große Anzahl von Zigarren ausgestellt (unter anderem die „schwarze Marianne“ und der „Blonde Paul“, sondern auch eine große Aktion mit einem lebenden Modell, welches in einem weinroten Abendkleid die Vorzüge und Funktionen des neuartigen „FumaLux“-Feuerzeuges zeigte.

Durch die Lagerung von reparierten Feuerzeugen entstand um 1953 ein großer Brand in unserem Ladenlokal. Binnen einer Stunden waren sämtliche Tabakwaren verbrannt oder verraucht.

In der Mitte der fünfziger Jahre kamen wir in den Besitz eines besonderen Automaten. Im Schaufenster wurde eine große Trommel mit ca. 50 Schächten platziert. Von außen konnte man über eine Tastatur die Nummer der gewünschten Marke wählen, den passenden Geldbetrag einwerfen und dann fuhr die Trommel über die Ausgabe und ein Motor beförderte dann die gewünschte Packung in die Warenausgabe. Von diesem Automaten gab es meines Wissens in Köln nur drei Stück, bei uns, in Buchforst und im Severinsviertel.

Da sich unser Großhandel kontinuierlich entwickelte und vergrößerte und die Verkehrssituation in der Neusser Straße sich rapide verschlechterte, mieteten wir gegen Ende der 50er  Jahre ein neue Lager in der Roonstraße 100 an. Weil hier aber die Toreinfahrt sehr eng war und unsere Fahrzeuge nur hintereinander parken konnten, suchten wir weiter und fanden um 1962 ein neues Domizil im Helioshaus in Köln – Ehrenfeld auf der Venloer Straße 389. Hier hatten wir für die nächsten Jahre Platz und Parkplatz genug. Als uns aber um 1968 das frühere „Leokino“ in der Leostraße angeboten wurde, haben wir gleich zugegriffen und das Objekt gekauft. Hier sind wir nun, nach zahlreichen Um- und Anbauten, seit 1968 beheimatet.

Nach meiner Schulausbildung begann ich unter meinem Vater 1964 eine Lehre als Großhandelskaufmann, die ich dann 1967 mit gut abgeschlossen habe. Jetzt trat ich auch als Kommanditist in Feu-Ki Paul Kirsch KG ein und wurde später, nach dem Tod meines Vaters, Komplementär. Meine Schwester, Maritta Beck geborene Kirsch, wurde ebenfalls Kommanditist. Seit den 1970er führen wir beide das Unternehmen. Nach dem Abitur machte mein Sohn Marcus Kirsch seine Lehre in unserem Hause und er ist ebenfalls Kommanditist bei Feu-Ki. Um die Familientradition fortzuführen, hilft mittlerweile in ihrer Freizeit meine Enkeltochter Christin im Lager. Allerdings ist sie mit ihren 7 Jahren zur Zeit noch vorwiegend in der Produktprüfung und in der Kommunikation tätig.